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Reifenalter und DOT-Nummer: wie alt Reifen sein dürfen

Das Alter steht als vierstellige Zahl auf der Flanke. Hier lesen Sie, was sie bedeutet und wann ein Reifen mit gutem Profil trotzdem zu alt ist.

Annika Berger, Dipl.-Ing., Kfz-Sachverständige. Stand 29.10.2026.

DOT-Nummer mit Herstellungsdatum auf der Seitenwand eines Reifens

Im Mai 2025 stand in Esslingen ein Hobby-Wohnwagen vor mir, Baujahr 2017, innen gepflegt wie neu, die Reifen mit 7 mm Profil. Das Ehepaar wollte nach Kroatien und hatte nur eine Frage zum Luftdruck. Ich fand auf der Flanke die Endziffern 3318, Kalenderwoche 33 des Jahres 2018. Sieben Jahre alt, bei kaum 9 000 gefahrenen Kilometern. Im Streiflicht der Taschenlampe zeigten sich feine Risse im Profilgrund. Mit diesen Reifen durfte das Gespann nicht mehr 100 fahren, und ich hätte es auch bei 80 nicht gern gesehen.

Das Profil sagt, wie viel Gummi übrig ist. Das Alter sagt, in welchem Zustand dieser Gummi ist. Beide Werte gehören zusammen, und der zweite wird deutlich seltener geprüft als die Profiltiefe.

Beim Alter fängt es mit einer Zahl an, die auf jedem der Reifen steht, die Sie fahren, und die kaum jemand liest. Sie ist vier Ziffern lang und in fünf Sekunden gelesen.

DOT-Nummer lesen: vier Ziffern genügen

Das Herstellungsdatum steht am Ende der DOT-Nummer auf der Reifenflanke, meist in einem Oval. Es besteht aus vier Ziffern: Die ersten beiden nennen die Kalenderwoche, die letzten beiden das Jahr. Die Folge 3318 bedeutet Woche 33 im Jahr 2018, also Mitte August.

Davor stehen Codes für Werk, Reifengröße und Typ, die für das Alter keine Rolle spielen. Reifen bis 1999 tragen nur drei Ziffern, ab dem Jahr 2000 gilt die vierstellige Form. Finden Sie an einem Reifen eine dreistellige Zahl, ist er mindestens 26 Jahre alt und gehört ohne jede Diskussion weg.

Das Datum ist oft nur auf einer Seite eingeprägt. Sehen Sie außen nur den vorderen Teil der DOT-Nummer, steht das Datum auf der Innenseite des Reifens. Bei montierten Rädern hilft ein Foto mit dem Smartphone, die Kamera hinter das Rad gehalten, mit Blitz. Neben dem Datum trägt die Flanke weitere Zusatzkennzeichnungen, die Sie bei Reifengröße lesen finden.

Das Reserverad altert mit, auch wenn es nie gebraucht wird. Prüfen Sie sein Datum beim ersten Radwechsel im Frühjahr. Im Reifenpass tragen Sie die DOT-Nummer jedes Rades ein und sehen, wann die nächste Alterskontrolle fällig ist. Eine Seite genügt, sie gehört ins Handschuhfach. Weitere Grundlagen zu Größe, Druck und Aufbau finden Sie in der Reifenkunde.

Wie alt dürfen Reifen sein: Gesetz, Hersteller, Automobilclubs

Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es in Deutschland nicht. Geregelt sind nur Profil und Zustand. Der ADAC rät, Neureifen nicht älter als zwei Jahre zu kaufen, Winterreifen nach spätestens acht Jahren zu ersetzen und Pkw-Reifen generell nach zehn Jahren auszumustern. Continental empfiehlt, Reifen zu ersetzen, die vor mehr als zehn Jahren hergestellt wurden.

Bei der Hauptuntersuchung ist das Alter kein eigener Prüfpunkt. Altersbedingte Schäden wie Risse oder Porosität können aber beanstandet werden. Die folgende Tabelle ordnet ein, was die Empfehlungen im Oktober 2026 für verschiedene Jahrgänge bedeuten:

HerstellungsjahrAlter (ca.)SommerreifenWinterreifenAnhänger mit 100 km/h
2025 oder 2026bis 2 Jahrewie neuwie neuin Ordnung
2022 bis 20233 bis 5 Jahrejährlich prüfenjährlich prüfenin Ordnung
2020etwa 6 Jahregenau prüfen lassenHaftung bei Kälte lässt nachGrenze erreicht
2018etwa 8 JahreAustausch planenersetzennicht mehr zulässig
2016 und älter10 Jahre und mehrersetzenersetzennicht mehr zulässig

Die Quellen weichen leicht voneinander ab: Für Sommerreifen nennt der ADAC eine Spanne von acht bis zehn Jahren, für Winterreifen rät er ab etwa sechs Jahren zur Vorsicht, weil die Haftung bei Kälte nachlässt. Mein Rat als Sachverständige ist einfacher. Ab sechs Jahren lasse ich jährlich in die Flanke schauen, ab acht plane ich den Austausch, ab zehn fahre ich den Reifen nicht mehr, auch wenn das Profil noch tief ist.

Warum Gummi altert, auch im Schrank

Gummi ist ein organischer Werkstoff, und der reagiert mit seiner Umgebung. Sauerstoff und Ozon greifen die Polymerketten an, Wärme und UV-Licht beschleunigen das. Die Mischung vernetzt nach und wird härter, die Weichmacher und Alterungsschutzmittel, die sie geschmeidig halten, nehmen mit den Jahren ab. Continental beschreibt diese Oxidation als Ursache für die sichtbaren Ozonrisse. Das Ergebnis ist ein Reifen, der auf nasser Straße weniger greift und bei Kälte früher nachgibt, lange bevor das Profil verschwunden ist. Welche Bestandteile dabei wirken, erklärt die Seite zur Gummimischung.

Gefährlicher als der Grip-Verlust ist die Folge im Inneren. Ein Reifen besteht aus mehreren Lagen von Gummi, Stahl und Textil, die miteinander verbunden sind, wie es der Aufbau eines Reifens zeigt. Altert der Gummi, lässt auch die Haftung zwischen diesen Lagen nach. Bei Hitze und Dauertempo auf der Autobahn, also genau im Sommerurlaub, kann sich im Extremfall ein Stück der Lauffläche lösen. Das passiert selten, aber dann ohne Vorwarnung.

Woran Sie einen gealterten Reifen erkennen:

  • Feine Risse in der Flanke oder am Grund der Profilrillen, sichtbar im Streiflicht
  • Spröde, glasig wirkende Oberfläche, die sich nicht mehr geschmeidig anfühlt
  • Bräunliche Verfärbung oder weißlicher Belag auf der Flanke
Kunden bringen mir Reifen mit 6 Millimetern Profil und sagen, die seien doch gut. Ich halte die Taschenlampe schräg an die Flanke, und dann ist die Diskussion vorbei.
Reifenhändler aus Esslingen

Beulen oder Wellen in der Lauffläche gehören nicht in diese Liste, denn sie sind kein Alterszeichen, sondern ein Notfall. Wechseln Sie das Rad sofort gegen das Reserverad und lassen Sie den Reifen prüfen.

Wenigfahrer: wenn das Alter das Profil schlägt

Wer wenig fährt, erreicht das Ende der Lebenszeit oft vor dem Ende des Profils. Das folgende Rechenbeispiel nutzt den Verschleiß von 0,137 mm je 1 000 km aus der Seite zur Profiltiefe, einen neuen Reifen mit 8 mm und die Grenze von 3 mm. Das ergibt 5 mm Nutzprofil und gut 36 000 km je Satz. Wer Sommer- und Winterräder abwechselnd fährt, teilt die Jahresfahrleistung auf zwei Sätze auf:

Fahrleistung im JahrKilometer je Satz und JahrJahre bis 3 mmWas zuerst endet
5 000 km2 500 km14,6 Jahredas Alter
10 000 km5 000 km7,3 JahreAlter und Profil fast gleichzeitig
15 000 km7 500 km4,9 Jahredas Profil
20 000 km10 000 km3,7 Jahredas Profil

Ein Rechenbeispiel ist keine Messung, der echte Verschleiß schwankt mit Fahrstil, Achse und Jahreszeit. Die Richtung aber stimmt. Wer nur 5 000 km im Jahr fährt, kauft seine Reifen nicht wegen des Profils, sondern wegen des Datums. Gehören Sie zu dieser Gruppe, planen Sie den Austausch nach dem Kalender und nicht nach dem Messgerät.

Lagerung: wie Reifen langsam altern

Ein Reifen, der im Keller liegt, altert langsamer als einer in der Sonne, aber er altert. Ideal sind niedrige Temperatur, geringe Luftfeuchtigkeit und Dunkelheit. Halten Sie ihn fern von ozonbildenden Geräten wie Elektromotoren, von Lösungsmitteln, Ölen und Chemikalien. Räder auf Felge lagern liegend gestapelt oder hängend, Reifen ohne Felge stehend, ohne dass sie sich verformen.

Wie Sie Räder markieren, welchen Druck Sie für die Einlagerung wählen und was eine Werkstattlagerung kostet, steht bei Reifenwechsel-Termin und Einlagerung. Ein Satz, der zwei Winter im Carport in der Sonne stand, ist älter als sein Datum.

Wohnwagen, Wohnmobil und Anhänger: strengere Regeln

Für Anhänger gibt es bei einem Punkt tatsächlich eine harte Altersgrenze. Wer einen Wohnwagen oder Anhänger mit 100 km/h fahren will, braucht nach der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO eine Zulassung mit Plakette. Dazu gehören Reifen, die nicht älter als sechs Jahre sind und mindestens den Geschwindigkeitsindex L (120 km/h) haben. Maßgeblich ist das Herstellungsdatum, nicht das Kaufdatum, und die Bedingung gilt bei jeder Fahrt. Sind die Reifen älter, bleibt die Tempo-100-Zulassung für diese Fahrt wirkungslos.

Bei Wohnmobilen gibt es keine feste Altersgrenze, aber § 36 Abs. 1 StVZO verlangt Reifen, die zur Belastung und zur Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs passen. Ein Reisemobil steht oft monatelang auf demselben Fleck, ist schwer und wird selten gefahren. Dabei altern die Reifen schneller, als sie verschleißen. Ich tausche Wohnmobilreifen nach sechs bis sieben Jahren, unabhängig vom Profil. Wie viel Reserve die Reifen bei Ihrem Gewicht haben, zeigt der Lastindex.

Neureifen: wenn der „neue“ Reifen schon alt ist

Ein neu gekaufter Reifen ist nicht automatisch frisch produziert. Der ADAC sagt: Älter als zwei Jahre sollte kein Neureifen sein, und rät, diese Grenze schon bei der Bestellung schriftlich festzuhalten. Der Reifenhandelsverband BRV lässt Reifen bis zu drei Jahren als „fabrikneu“ gelten und bis zu fünf Jahren noch als „neu“. Zwischen den Auffassungen liegt ein Spielraum, den manche Anbieter von Lagerware ausnutzen.

Mein Eindruck aus der Praxis: Der Preisvorteil von Lagerware steht in keinem Verhältnis zu den verlorenen Jahren. Ein Reifen, der drei Jahre im Regal lag, hat seine nutzbare Lebenszeit schon zum Teil hinter sich. Fragen Sie beim Kauf nach dem Jahrgang, und notieren Sie die DOT-Nummer, sobald die Räder am Auto sind.

Häufige Fragen

Wie alt dürfen Reifen sein?

Gesetzlich gibt es für Pkw keine Altersgrenze. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen spätestens nach acht Jahren zu ersetzen, Sommerreifen nach acht bis zehn Jahren und alle Pkw-Reifen spätestens nach zehn Jahren. Neureifen sollten beim Kauf nicht älter als zwei Jahre sein.

Wo finde ich das Herstellungsdatum?

Am Ende der DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Die vier Ziffern bedeuten Woche und Jahr der Herstellung. Steht außen nur der vordere Teil der DOT-Nummer, ist das Datum auf der Innenseite eingeprägt. Ein Smartphone-Foto hinter dem Rad hilft beim Ablesen.

Darf ich Reifen fahren, die älter als zehn Jahre sind?

Rechtlich ist das bei Pkw nicht verboten, solange das Profil stimmt und der Reifen keine Schäden zeigt. Ich rate davon ab. Bei der Hauptuntersuchung können Risse und Porosität beanstandet werden, und im Ernstfall ist ein zehn Jahre alter Reifen ein Argument gegen Sie.

Wie alt dürfen Wohnwagenreifen sein?

Für die Tempo-100-Zulassung dürfen die Reifen nicht älter als sechs Jahre sein. Das gilt bei jeder Fahrt, gemessen am Herstellungsdatum. Ohne Zulassung für 100 km/h gibt es keine feste Grenze, aber auch dort rate ich nach sechs bis sieben Jahren zum Tausch.

Besteht ein Reifen mit Altersrissen die Hauptuntersuchung?

Das hängt vom Befund und vom Prüfer. Tiefe Risse im Profilgrund oder in der Flanke werden als Mangel beanstandet, bei feinen Haarrissen kommt es auf die Einschätzung vor Ort an. Wer unsicher ist, lässt den Reifen vor dem Termin in einer Werkstatt ansehen.