EU-Reifenlabel: Was Klasse A gegen Klasse E wirklich bedeutet
Das Label nennt drei Werte und zwei Piktogramme. Was sie in Litern, Metern und Euro bedeuten, steht hier, samt Rechner für 40 000 Kilometer und den Grenzen des Etiketts.
Ein Pendler aus Schwäbisch Gmünd fährt im Jahr 35 000 Kilometer, gut 140 pro Arbeitstag, ein Kombi mit Benzinmotor. Beim letzten Reifenkauf lagen zwei Angebote auf dem Tresen: Klasse E für 96 Euro je Reifen, Klasse B für 118 Euro.
Er rechnete mit dem Handy. Aufpreis für den Satz: 88 Euro. Ersparnis laut Tabelle rund 0,4 Liter auf 100 Kilometer, das sind 140 Liter im Jahr, bei 2,10 Euro je Liter knapp 300 Euro. Er nahm Klasse B. Auf dem Papier war der Aufpreis nach dreieinhalb Monaten wieder drin.
Auf dem Papier, wohlgemerkt. Das Label hat Haken, dazu unten mehr. Zuerst zum Etikett selbst, das seit dem 1. Mai 2021 nach der Verordnung (EU) 2020/740 neue Skalen hat: Die Klassen F und G gibt es nicht mehr, Schnee- und Eisgriff haben eigene Piktogramme.
Was auf dem Label steht
Das Etikett nach Verordnung (EU) 2020/740 zeigt Lieferant, Reifentyp, Größe, Lastindex und Geschwindigkeitskategorie, dazu drei Bewertungen: Kraftstoffeffizienz (Rollwiderstand) von A bis E, Nasshaftung von A bis E und das externe Rollgeräusch in Dezibel mit einer Klasse von A bis C. Ein QR-Code führt zur Produktdatenbank EPREL. Winter- und Ganzjahresreifen können zwei weitere Piktogramme tragen.
Sie begegnen dem Label an drei Stellen: als Aufkleber am Reifen, am Verkaufsort und im Online-Angebot. Die Größe, den Lastindex und den Geschwindigkeitsbuchstaben entschlüsselt die Seite zu Reifengröße lesen. Gegenüber dem Label von 2012 hat sich die Skala geändert: Sie endet jetzt bei E.
Der QR-Code ist mehr als Verzierung. Er öffnet das Datenblatt des Reifens in der EPREL-Datenbank, und dort stehen dieselben Angaben wie auf dem Aufkleber, nur ohne dass der Aufkleber schon abgerieben sein müsste. Wer online bestellt, kann das Label vor dem Kauf nachschlagen, und wer im Laden steht, scannt den Code am Regal.
Rollwiderstand: die Klasse, die Geld spart
Rollwiderstand ist die Kraft, die der rollende Reifen dem Auto entgegensetzt, gemessen als Beiwert in Kilogramm je Tonne. Bei 8 kg/t und 1,5 Tonnen Fahrzeugmasse sind das 12 Kilogramm, rund 118 Newton, als würde jemand das Auto mit einem Zwölf-Kilo-Gewicht an der Leine zurückhalten. Weniger Rollwiderstand heißt weniger Kraft, weniger Energie, weniger Kraftstoff. Bei einem Elektroauto zeigt sich dasselbe in der Reichweite statt am Tankstutzen.
Der ADAC veröffentlicht eine Tabelle, die den Mehrverbrauch gegenüber Klasse A je 100 Kilometer angibt. Ich habe sie auf 40 000 Kilometer und einen angenommenen Literpreis von 2,10 Euro umgerechnet:
| Klasse | Rollwiderstand (kg/t) | Mehrverbrauch gegenüber A | Mehrkosten auf 40 000 km |
|---|---|---|---|
| A | bis 6,5 | 0 | 0 € |
| B | 6,6 bis 7,7 | 0,10 l/100 km | 40 l, rund 84 € |
| C | 7,8 bis 9,0 | 0,22 l/100 km | 88 l, rund 185 € |
| D | 9,1 bis 10,5 | 0,36 l/100 km | 144 l, rund 302 € |
| E | ab 10,6 | 0,51 l/100 km | 204 l, rund 428 € |
Klasse A gegen E macht also gut 0,5 Liter auf 100 Kilometer aus, nach ADAC-Angabe rund 7,5 Prozent, und auf 40 000 Kilometer etwa 430 Euro. Weil die meisten Reifen in B oder C fallen, ist die realistische Ersparnis kleiner. Von C auf B sind es 0,12 Liter, auf 40 000 Kilometer rund 100 Euro. Stellen Sie das dem Aufpreis gegenüber: Kostet B 15 Euro je Reifen mehr als C, sind das 60 Euro für den Satz, und die Rechnung geht nach etwa 24 000 Kilometern auf. Fahren Sie Diesel, setzen Sie den Dieselpreis ein, und statt 40 000 Kilometern Ihre eigene Fahrleistung. Was Reifen der einzelnen Klassen im Handel kosten, steht bei den Reifenpreisen.
Dazu der Druck: Die Klassen gelten für einen Reifen mit dem richtigen Fülldruck. Ein zu weicher Reifen walkt stärker, und der Vorteil einer besseren Klasse schrumpft. Wer A kauft und dann dauerhaft 0,4 bar zu wenig fährt, zahlt für ein Etikett, das er nicht ausnutzt.
Der Rechner darunter setzt diese Tabelle für Ihre Fahrleistung und Ihren Spritpreis um.
Spritkosten nach EU-Label
Zwei Reifen, zwei Rollwiderstandsklassen. Der Rechner setzt den Mehrverbrauch je Klasse für Ihre Fahrleistung und Ihren Spritpreis um und zeigt, wie viel Aufpreis sich über den Kraftstoff bezahlt macht.
…
Mehrverbrauch gegenüber Klasse A nach der Tabelle des ADAC: B 0,10, C 0,22, D 0,36, E 0,51 Liter je 100 km. Richtwert für einen Pkw mit Verbrennungsmotor, abhängig von Fahrweise und Strecke.
Nasshaftung: die Klasse, die Meter spart
Die Nasshaftung wird als Kennzahl G im Vergleich zu einem Referenzreifen gemessen und in fünf Klassen eingeteilt. Der ADAC gibt an, dass Klasse A bei einer Vollbremsung aus 80 km/h auf nasser Fahrbahn einen bis zu 18 Meter kürzeren Bremsweg erreichen kann als Klasse E. 18 Meter sind vier Autolängen. Bei 80 km/h legt ein Auto gut 22 Meter pro Sekunde zurück, der Unterschied entspricht also knapp einer Sekunde Fahrt, und genau das ist der Abstand zwischen Beinahe und Unfall. Auf trockener Straße fällt er meist kleiner aus, deshalb zählt das Label gerade bei Nässe. Für die Nassbremsung empfiehlt der ADAC Klasse C oder besser.
| Klasse | Nasshaftungskennzahl G | Einordnung |
|---|---|---|
| A | ab 1,55 | kürzester Bremsweg |
| B | 1,40 bis 1,54 | sehr gut |
| C | 1,25 bis 1,39 | untere Empfehlung |
| D | 1,10 bis 1,24 | merklich längerer Bremsweg |
| E | bis 1,09 | längster Bremsweg |
Rollwiderstand und Nasshaftung zogen früher in verschiedene Richtungen. Eine weiche Mischung haftet gut, walkt aber stark und kostet Sprit, eine harte rollt leicht und rutscht schneller. Hochdisperse Kieselsäure, kurz Silica, hat beides gleichzeitig verbessert; wie das geht, steht auf der Seite zu Gummimischung und Profil. Trotzdem bleibt ein Zielkonflikt, und er entscheidet sich beim Preis.
Meine Gewichtung ist eindeutig: Die Nasshaftung zuerst. Sprit sparen ist hübsch, Bremsen auf nasser Straße ist Pflicht.
Geräusch und Piktogramme
Das Etikett nennt das externe Rollgeräusch in Dezibel, also das Vorbeifahrgeräusch außen, nicht den Lärm im Innenraum. Die Klasse ordnet den Wert gegen den gültigen Grenzwert ein. A heißt: mindestens 3 dB unter dem Grenzwert. B heißt: bis zu 3 dB darunter. C heißt: kein Abstand zum Grenzwert.
Drei Dezibel bedeuten die doppelte Schallenergie und sind für das Ohr gerade wahrnehmbar. Für Anwohner an einer Straße zählt der Unterschied, für Ihre Ohren im Wagen hängt der Innenlärm stärker von Auto und Belag ab.
Dazu kommen zwei Piktogramme für Winter- und Ganzjahresreifen. Das Alpine-Symbol, eine Bergsilhouette mit Schneeflocke, bestätigt die Mindestanforderungen für Schnee nach UN-Regelung R 117. Das Eis-Symbol, ein Dreieck mit Berg, kennzeichnet Reifen mit besonders weicher Mischung für vereiste Straßen, vor allem für Winter im Norden Europas. Welches Symbol Sie bei uns brauchen und warum, erklärt die Seite zu den Winterreifen.
Ein Label ist ein Datenblatt, kein Test. Es sagt, wie ein Reifen im Neuzustand unter Laborbedingungen abschneidet. Ob er nach 30 000 Kilometern noch so abschneidet, steht nirgends darauf.
Zwei Angebote, ein Rechenweg
So gehe ich vor, wenn jemand mit zwei Angeboten kommt. Ein Familienwagen fährt 15 000 Kilometer im Jahr, der Satz soll drei Jahre halten, das sind 45 000 Kilometer. Angebot 1 kostet 90 Euro je Reifen und trägt Rollwiderstand C, Nasshaftung B, 71 dB. Angebot 2 kostet 110 Euro und trägt B, A und 69 dB.
| Merkmal | Angebot 1 | Angebot 2 |
|---|---|---|
| Preis je Reifen | 90 € | 110 € |
| Rollwiderstand | C | B |
| Nasshaftung | B | A |
| Geräusch | 71 dB | 69 dB |
Der Aufpreis für vier Reifen beträgt 80 Euro. Von C auf B sparen Sie nach der ADAC-Tabelle 0,12 Liter auf 100 Kilometer, auf 45 000 Kilometer sind das 54 Liter oder rund 113 Euro. Der Aufpreis ist wieder drin, es bleiben gut 30 Euro, und die bessere Nassbremse sowie das leisere Rollen gibt es obendrauf. Anders sieht es bei 8 000 Kilometern im Jahr aus, wenn der Satz nach vier Jahren wegen des Alters getauscht wird: Dann sind es 32 000 Kilometer, 38 Liter, rund 80 Euro, und die Rechnung geht genau null auf null aus. Bleibt die Nassbremse als einziges Argument. Ich finde, das reicht.
Die Grenzen des Labels
Das Etikett ist ein Anhaltspunkt, kein Urteil, und es lässt Dinge aus, die im Alltag mindestens so viel zählen wie die A-Klasse.
- Herstellerangaben: Die Werte stammen von den Reifenherstellern. Der ADAC empfiehlt, unabhängige Tests zu nutzen und das Label nur als groben Anhaltspunkt zu verstehen.
- Neuzustand: Das Label misst den neuen Reifen. Wie er nach 20 000 Kilometern abschneidet, steht nirgends.
- Fehlende Disziplinen: Trockenbremsen, Handling, Aquaplaning, Verschleiß und Laufleistung kommen auf dem Etikett nicht vor.
- Spannen statt Punkte: Klasse B reicht von 6,6 bis 7,7 kg/t. Zwei B-Reifen können sich deutlich unterscheiden.
- Je Größe: Dasselbe Modell kann in einer anderen Größe anders eingestuft sein.
Wer wissen will, wie bekannte Modelle am Markt liegen, findet in der Übersicht der Reifenmodelle die gängigen Reifen nach Marke, Saison und Segment geordnet. Was ein guter Reifen darüber hinaus können muss, ordnet die Hauptseite ein.
Häufige Fragen
Seit wann gilt das neue EU-Reifenlabel?
Das neue Label gilt seit dem 1. Mai 2021 nach der Verordnung (EU) 2020/740. Es ersetzt die Verordnung (EG) Nr. 1222/2009. Die Klassen F und G entfallen, Schnee- und Eisgriff bekommen eigene Piktogramme, der Geräuschwert wird in Dezibel mit Klasse A bis C ausgewiesen.
Wie viel Sprit spart Klasse A gegenüber Klasse E?
Nach der ADAC-Tabelle etwa 0,5 Liter auf 100 Kilometer, das sind rund 7,5 Prozent. Auf 40 000 Kilometer ergibt das 204 Liter, bei 2,10 Euro je Liter etwa 430 Euro. Zwischen B und C sind es nur gut 0,1 Liter.
Was bedeutet die Zahl in Dezibel auf dem Label?
Sie gibt das gemessene Vorbeifahrgeräusch außen an. Die Klasse A bis C zeigt, wie weit der Wert unter dem gesetzlichen Grenzwert liegt. 3 dB Unterschied bedeuten die doppelte Schallenergie, ein knapp hörbarer Unterschied.
Welche Klasse sollte man mindestens kaufen?
Bei der Nasshaftung rät der ADAC zu Klasse C oder besser. Beim Rollwiderstand ist B oder C ein sinnvoller Bereich, A lohnt sich vor allem bei hohen Fahrleistungen. Das Label ist ein Teil der Entscheidung, nicht die ganze.
Gilt das Label auch für Winter- und Ganzjahresreifen?
Ja, dieselbe Skala gilt für alle Pkw-Reifen. Winter- und Ganzjahresreifen können zusätzlich das Alpine-Symbol und, bei Reifen für sehr kalte Regionen, das Eis-Symbol tragen. Im Vergleich zu Sommerreifen schneiden sie bei Rollwiderstand und Nasshaftung oft anders ab, weil die Mischung kältetauglich sein muss.