Reifenwechsel: der richtige Termin und die richtige Einlagerung
Von Oktober bis Ostern ist eine Eselsbrücke und kein Gesetz. Hier steht, woran Sie den Wechseltermin erkennen und wie die Räder den Winter im Keller überstehen.

Im Frühjahr 2025 rief mich ein Hausbesitzer in Fellbach an. Sein Satz Winterreifen eines Premiumherstellers, sechs Jahre alt, auf Alufelgen, zeigte feine Risse in den Flanken. Ich fand die Räder im Heizungskeller, gestapelt neben dem Öltank, 27 °C im Winter und kaum weniger im Sommer. Der Gummi war hart wie Kunststoff. Das Profil hatte noch 6 mm, und die Reifen waren trotzdem Schrott.
Der Mann hatte fast alles richtig gemacht, nur den Ort nicht. Das ist der häufigste Fehler beim Einlagern, und der zweithäufigste ist der falsche Zeitpunkt für den Wechsel. Beides lässt sich vermeiden, mit etwas Beobachtung und einer Checkliste. Wie die drei Reifenarten über das Jahr zusammenspielen, zeigt die Übersicht nach Jahreszeit. Wer erst die Grundlagen braucht, beginnt bei Reifen.
Der richtige Zeitpunkt: O bis O und die 7 Grad
„Von O bis O“, von Oktober bis Ostern, ist die gängige Eselsbrücke für die Winterreifenzeit. Maßgeblich ist das Wetter: Liegen die Temperaturen morgens dauerhaft unter etwa 7 °C oder droht Glätte, wechseln Sie auf Winterreifen. Im Frühjahr gilt der umgekehrte Test: Sind mehrere frostfreie Tage am Stück da und kein Schnee in der Vorschau, dürfen die Sommerreifen wieder drauf.
Rechtlich zählt die Glätte und nicht das Datum. § 2 Abs. 3a StVO verlangt Reifen mit Alpine-Symbol, sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte herrschen, und das kann im November so gut passieren wie im April. Die Einzelheiten dazu stehen bei den Winterreifen. Dass der Kalender als Maßstab wenig taugt, sieht man auch an Ostern selbst: Der Termin wandert zwischen dem 22. März und dem 25. April, 2026 liegt er am 5. April, 2027 schon am 28. März.
Die Sieben ist ebenfalls eine Faustregel. Sie beschreibt, ab wann die Mischung eines Sommerreifens spürbar härter wird, und sie gilt für die Morgenstunden, nicht für den Mittagswert. Wer im Herbst wartet, bis der erste Schnee liegt, steht mit allen anderen in der Schlange. Buchen Sie den Termin in der Werkstatt im September, dann bestimmen Sie den Wechsel, nicht das Wetter.
| Beobachtung | Herbst: auf Winterreifen | Frühjahr: auf Sommerreifen |
|---|---|---|
| Morgentemperaturen | mehrere Tage unter 7 °C | mehrere Tage über 7 °C |
| Frost | erste Nachtfröste angekündigt | keine Nachtfröste in der Wochenvorschau |
| Höhenlage (Alb, Schwarzwald) | schon im Oktober | erst Mitte bis Ende April (Richtwert der Redaktion) |
| Reise in Schneegebiete | vor der Abfahrt wechseln | erst nach der Rückkehr |
Im Großraum Stuttgart wirkt sich die Lage spürbar aus. Im Neckartal und im Kessel bleibt es im Frühjahr oft früher frostfrei als auf den Fildern, und auf der Schwäbischen Alb liegt in manchen Jahren noch im April Schnee. Wer täglich zwischen diesen Höhenstufen pendelt, richtet sich nach der höchsten Stelle der Strecke und nicht nach der Wetterstation am Wohnort.
Räder markieren: VL, VR, HL und HR
Wer die Räder selbst wechselt oder in die Werkstatt bringt, markiert vorher die Position: VL für vorn links, VR für vorn rechts, HL und HR für hinten. Kreide auf dem Profil, Klebezettel am Felgenstern oder beschriftete Ventilkappen reichen. Die Mühe zahlt sich im Herbst aus, wenn der Satz wieder auf das Auto kommt und Sie wissen, welcher Reifen wohin gehört.
Der ADAC rät, die Reifen möglichst auf derselben Fahrzeugseite zu lassen und höchstens vorn und hinten zu tauschen, um die Abnutzung auszugleichen. Bei Reifen mit Laufrichtung ist das ohnehin Pflicht: Der Pfeil auf der Flanke muss in Fahrtrichtung zeigen, sonst arbeitet das Profil rückwärts und leitet Wasser schlechter ab.
Jeden November sehe ich Räder, bei denen vorn links und hinten rechts vertauscht wurden, weil niemand markiert hat. Bei Laufrichtungsreifen zeigt der Pfeil dann in die falsche Richtung, und das merkt der Kunde erst bei Regen.
Bei manchen Fahrzeugen muss das Reifendruck-Kontrollsystem nach einem Tausch der Radpositionen neu angelernt werden. Wie der Radwechsel in der eigenen Garage abläuft, mit Wagenheber, Drehmomentschlüssel und Anzugsdrehmoment je Marke, steht bei Reifen selbst wechseln. Das Wichtigste vorweg: Ziehen Sie die Radschrauben nach etwa 50 Kilometern, spätestens nach 100, mit dem vorgeschriebenen Drehmoment nach.
Einlagerung: Ort, Lage und Druck
Reifen lagern am besten kühl, dunkel und trocken. Kompletträder liegen übereinander oder hängen am Felgenbaum, lose Reifen stehen aufrecht und werden alle paar Monate gedreht. Auf Felgen füllen Sie den Druck um etwa 0,5 bar über die Herstellerangabe, weil die Reifen im Lager langsam Luft verlieren.
Gummi altert durch Licht, Wärme, Sauerstoff und Ozon, und es reagiert auf Öle und Lösungsmittel. Der Heizungskeller in Fellbach vereinte Wärme und Öldämpfe auf engstem Raum. Besser sind ein Kellerraum ohne Heizung, ein Garagenschrank oder ein Regal an der Wand.
Kompletträder
Reifen auf Felgen lagern Sie liegend, notfalls gestapelt. Beim Stapeln kann allerdings Rost entstehen. Ein Felgenbaum oder ein Wandhalter vermeidet das, und er spart Platz. Aufgehängte Räder gehören an die Felge, nie an die Reifenflanke.
Lose Reifen
Reifen ohne Felge gehören aufrecht hingestellt und nicht gestapelt. Das Eigengewicht würde sonst die untersten verformen. Drehen Sie sie alle paar Monate ein Stück, damit die Aufstandsstelle nicht dauerhaft am gleichen Punkt liegt. Befüllt werden sie nicht, der Druck gehört nur auf Räder mit Felge.
Steht nicht der Reifen im Lager, sondern das ganze Auto monatelang, etwa das Cabrio über den Winter, gilt ein ähnliches Prinzip. Der Reifen bleibt über Wochen an derselben Stelle belastet und bekommt dort eine Abplattung, die sich zum Teil wieder zurückbildet, bei langem Stehen aber auch bleiben kann. Bewegen Sie den Wagen deshalb alle paar Wochen ein Stück, damit die Aufstandsstelle wechselt, und erhöhen Sie den Druck wie bei eingelagerten Rädern um etwa 0,5 bar.
Die Checkliste vor dem Einlagern
Bevor ein Satz in den Keller wandert, gehe ich in dieser Reihenfolge vor:
- Prüfen: auf Beulen in der Flanke und tiefe Risse achten, Profil messen. Unter 1,6 mm oder mit Schäden wird der Reifen entsorgt, nicht eingelagert.
- Markieren: VL, VR, HL, HR mit Kreide, Klebezettel oder Ventilkappen.
- Reinigen und trocknen: mildes Spülmittel, Wasser, Bürste. Beim Hochdruckreiniger mindestens 50 Zentimeter Abstand, danach gründlich trocknen lassen.
- Druck anpassen: Kompletträder auf etwa 0,5 bar über Herstellerwert, lose Reifen ohne Druck.
- Lagern: kühl, dunkel, trocken, liegend, hängend oder stehend, je nachdem, ob Felge dabei ist.
- Dokumentieren: Profiltiefe, DOT-Nummer, Druck und Datum im Reifenpass festhalten.
Der Reifenpass erzeugt aus diesen Angaben eine druckbare Übersicht mit den nächsten Fälligkeiten. Das klingt nach Bürokratie, spart aber im Frühjahr die Frage, ob der Satz noch 5 oder schon 3 mm hatte. Auch die Werkstatt führt bei der Einlagerung ein Protokoll, das Zustand, Profiltiefe, Modell und Position festhält und das Sie gegenzeichnen sollten.
Werkstatt oder Keller: Kosten 2026
Die Einlagerung in der Werkstatt kostet 2026 meist 40 bis 80 Euro im Jahr, selten bis 100 Euro. Komplettpakete mit Radwechsel, Wuchten und Reinigung können nach Angaben des ADAC je Saison 100 Euro und mehr kosten, und in Großstädten liegen die Preise oft höher. Die Spanne ist groß, weil Radgröße, Region und Leistungsumfang mitspielen.
| Variante | Kosten pro Jahr | Was dabei ist |
|---|---|---|
| Eigener Keller oder Garage | 0 € | Platz, Pflege und Protokoll liegen bei Ihnen |
| Werkstatt, nur Einlagerung | 40–80 € (selten bis 100 €) | Lagerplatz für einen Satz Räder, Einlagerungsprotokoll |
| Reifenhändler mit Umstecken | 80–160 € | zwei Radwechsel zu je 20–40 € plus Einlagerung |
| Autohaus mit Umstecken | 160–300 € | zwei Termine zu je 60–110 € plus Einlagerung |
Rechnen Sie einmal über zehn Jahre: Eine Einlagerung für 60 Euro im Jahr, ein mittlerer Wert, kostet 600 Euro. Ein Felgenbaum oder Wandhalter kostet im Baumarkt einen Bruchteil davon. Wer keinen Platz hat, für den ist die Werkstatt eine vernünftige Lösung. Wer Platz hat, spart erhebliches Geld. Die übrigen Servicepreise, vom Montieren bis zum Entsorgen, stehen bei den Reifenpreisen 2026. Und wenn die Reifen beim Wechsel ohnehin neu auf die Felge kommen, lohnt ein Blick auf Reifenmontage und Auswuchten.
Nach dem Wechsel: Druck, Alter und Sensoren
Nach dem Aufziehen gehört der Druck auf den Sollwert, kalt gemessen, mit der Angabe aus Tankklappe oder Türrahmen. Die 0,5 bar Überdruck aus der Lagerung müssen wieder raus, sonst fährt das Auto auf harten Reifen. Wie sich Temperatur und Beladung auf den Wert auswirken, erklärt der Beitrag zu Reifendruck.
Nach dem Einlagern kann sich auf der Lauffläche eine leichte Standstelle gebildet haben, die als Vibration auf den ersten Kilometern spürbar ist. Sie verschwindet meist, sobald die Reifen warm sind. Bleibt das Zittern, gehört das Rad auf die Wuchtmaschine. Prüfen Sie außerdem die Ventile: Gummiventile werden mit den Jahren porös, und beim Wechsel kostet ein neues wenig.
Gleichzeitig ist der Wechsel der beste Moment, das Alter zu prüfen. Der ADAC empfiehlt, Reifen nach acht bis zehn Jahren auch bei gutem Profil zu ersetzen, und im Lager altert der Gummi weiter. Die Herstellungswoche steht in der DOT-Nummer, Einzelheiten unter Reifenalter und DOT-Nummer. Haben die Räder Sensoren, müssen diese nach dem Wechsel des Radsatzes oft angelernt werden. Das Prinzip erklärt der Beitrag zu RDKS.
Häufige Fragen
Ab wie viel Grad wechsle ich auf Winterreifen?
Als Faustregel, wenn die Morgentemperaturen mehrere Tage in Folge unter 7 °C liegen oder Glätte angekündigt ist. Die 7 °C sind ein Richtwert und kein Schaltpunkt. Rechtlich zählt nur, dass bei Glätte alle Räder Reifen mit Alpine-Symbol tragen.
Muss ich die Radschrauben nach dem Wechsel nachziehen?
Ja. Ziehen Sie die Schrauben nach etwa 50 Kilometern, spätestens nach 100, mit dem Drehmomentschlüssel nach und nehmen Sie den Wert aus der Betriebsanleitung. Der Grund: Die Räder setzen sich auf der Nabe, und die Schrauben verlieren dabei etwas Vorspannung.
Wie lange dürfen Reifen eingelagert werden?
Eine feste Frist gibt es nicht, die Einlagerung gilt meist je Saison, also rund sechs Monate. Wichtiger als die Lagerzeit ist das Alter des Reifens, denn auch im Keller altert der Gummi. Der ADAC empfiehlt, Reifen nach acht bis zehn Jahren zu ersetzen.
Darf ich Reifen draußen lagern?
Besser nicht. Sonne, Regen und Frost setzen dem Gummi zu. Wenn es keine Alternative gibt, stellen Sie die Reifen an einen trockenen, schattigen Platz und decken sie mit einem lichtdichten, atmungsaktiven Radsack ab. Prüfen Sie bei Kompletträdern den Druck, bevor sie wieder montiert werden.
Kann ich im Frühjahr zu früh wechseln?
Ja, und es passiert jedes Jahr. Ein warmer Tag im März sagt wenig über die nächsten Wochen. Schauen Sie auf die Wochenvorschau, vor allem auf die Nachttemperaturen, und wechseln Sie erst, wenn mehrere Tage in Folge kein Frost angekündigt ist. Wer in einer Höhenlage lebt, wartet gern bis Ende April.